5 Fragen an Johanna Köb

— Gründerin von Ecstatic Dance Zurich —

August 2026



Johanna Köb ist Gründerin von Ecstatic Dance Zurich. Im Gespräch erzählt sie, was freien Tanz von anderen Bewegungsformen unterscheidet, was in dem Moment passiert, in dem Menschen ihre Selbstkontrolle loslassen – und was für sie einen gelungenen gemeinsamen Raum ausmacht.


«Was hat dich persönlich zum Ecstatic Dance geführt – und was hält dich bis heute daran fest?»

Mich hat von Anfang an die Möglichkeit berührt, über den Körper wieder ganz bei mir anzukommen. Ich habe immer gespürt, dass Bewegung etwas in uns verändern kann – aber beim Ecstatic Dance habe ich erlebt, wie tief das gehen kann, wenn es keine Choreografie, keine Erwartungen und kein «richtig» oder «falsch» gibt.

Für mich ist Ecstatic Dance ein Raum, in dem ich mich immer wieder neu entdecken kann. Manchmal ist der Tanz wild und ekstatisch, manchmal ganz still und fein. Alles darf da sein.

Wir brauchen solche Räume heute mehr denn je: Räume, in denen wir nicht funktionieren müssen, sondern einfach sein dürfen.

Was mich bis heute hält, ist diese Kombination aus Freiheit, Präsenz und Gemeinschaft. Und auch das Gefühl, Menschen dabei begleiten zu dürfen, wieder mehr Vertrauen in ihren eigenen Körper und ihren eigenen Ausdruck zu finden.


«Ecstatic Dance wird oft als Tanzmeditation beschrieben. Was ist der Unterschied zu anderen Tanzformen – und was passiert im Körper und Geist, wenn Menschen sich ohne Vorgaben bewegen?»

Für mich liegt der grosse Unterschied darin, dass der Tanz nicht auf eine Leistung oder ein bestimmtes Ergebnis ausgerichtet ist. Es geht nicht darum, gut auszusehen, eine bestimmte Technik zu beherrschen oder einer Choreografie zu folgen. Die Bewegung entsteht von innen heraus.

Wir hören nicht nur die Musik, sondern wir hören auch unseren Körper.

Wenn wir aufhören, darüber nachzudenken, wie wir uns bewegen «sollten», kann etwas sehr Natürliches entstehen. Der Körper beginnt, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Wir können Spannung loslassen, Emotionen bewegen und unsere Wahrnehmung wird oft sehr viel unmittelbarer.

Gleichzeitig verändert sich auch die Beziehung zu den anderen. Wir tanzen miteinander, ohne uns gegenseitig etwas beweisen zu müssen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Raum und gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Verbundenheit. Genau darin liegt für mich die meditative Qualität: Wir sind sehr wach, sehr präsent und gleichzeitig ganz im Moment.


«Viele Menschen zögern zunächst, weil sie sich vor dem freien Tanz vor anderen scheuen. Was beobachtest du in diesem Moment des Überwindens – und was hilft?»

Das ist tatsächlich etwas, das ich sehr oft beobachte. Am Anfang kommen viele Menschen mit einem gewissen inneren Beobachter: «Wie sehe ich aus? Kann ich überhaupt tanzen? Was denken die anderen über mich?»

Und dann passiert häufig irgendwann etwas ganz Schönes: Dieser innere Beobachter wird leiser. Vielleicht zunächst nur für einen Moment – und dann immer länger. Der Körper übernimmt, und die Freude an der Bewegung wird wichtiger als die Frage, wie man dabei aussieht. Ich finde es immer wieder berührend, diesen Übergang zu beobachten. Es ist oft wie ein kleines Loslassen von Kontrolle.

Dabei hilft vor allem, dass es beim Ecstatic Dance keine Erwartungen gibt und die Rahmenbedingungen – kein Sprechen, keine Handys – nicht ablenken. Niemand muss tanzen. Niemand muss etwas Bestimmtes fühlen oder zeigen. Man darf auch einfach stehen, sitzen, atmen oder ganz kleine Bewegungen machen. Und natürlich spielt auch die Musik eine grosse Rolle: Sie kann uns an einen Ort bringen, an den wir mit dem Kopf manchmal gar nicht kommen. Auch die Facilitatorin oder der Facilitator schafft zu Beginn einen Raum, in dem sich alle wohlfühlen und sich dadurch zeigen dürfen.

Wir schaffen einen Raum, in dem sich Menschen sicher genug fühlen, um für einen Moment ihre gewohnte Selbstkontrolle loszulassen.


«Das Festival bringt Tanz, Musik, Breathwork, Yoga und bewusste Gemeinschaft an einem Ort zusammen. Was macht für dich einen gelungenen gemeinsamen Raum aus?»

Ein gelungener Raum entsteht für mich nicht nur durch ein gutes Programm. Er entsteht durch die Qualität der Präsenz aller Menschen, die darin zusammenkommen. Mir ist wichtig, dass Menschen sich willkommen fühlen – unabhängig davon, ob sie bereits viel Erfahrung mit Körperarbeit oder Ecstatic Dance haben oder zum ersten Mal dabei sind.

Gleichzeitig braucht es klare Grenzen und einen respektvollen Umgang miteinander. Freiheit funktioniert für mich nur dort wirklich, wo auch Sicherheit und gegenseitiger Respekt vorhanden sind. Wenn diese Grundlage da ist, kann etwas Magisches entstehen: Menschen beginnen, sich zu öffnen, miteinander in Kontakt zu kommen und eine Gemeinschaft zu erleben, ohne dass sie ihre Individualität aufgeben müssen.

Verbundenheit, ohne Gleichförmigkeit. Freiheit, ohne Grenzenlosigkeit. Und Gemeinschaft, ohne dass man sich selbst verliert.


«Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft von Ecstatic Dance in der Schweiz – und was bedeutet dir das Landguet Ried als Festival-Ort?»

Ich wünsche mir zweierlei: Zum einen, dass Ecstatic Dance in der Schweiz noch mehr Menschen erreicht und gleichzeitig seine Qualität und seine Essenz bewahrt – dass es nicht einfach ein weiterer Trend wird, sondern ein Raum bleibt, in dem Menschen sich selbst, ihren Körper und andere Menschen auf eine unmittelbare Weise erfahren können.

Zum anderen, dass immer mehr Menschen entdecken, dass sie keinen Alkohol und keine anderen Substanzen brauchen, um sich frei, lebendig und verbunden zu fühlen – dass wir diese Zustände auch aus uns selbst heraus erfahren können, durch Musik, Bewegung, Atem, Stimme und Gemeinschaft.

Das Landguet Ried ist dafür für mich ein ganz besonderer Ort. Die Natur, die Weite und die Atmosphäre schaffen einen schönen Übergang aus dem Alltag heraus.

Man ist nicht einfach bei einem Event, sondern betritt für eine gewisse Zeit eine andere Welt.

Und genau das wünsche ich mir auch für die Zukunft: dass Ecstatic Dance in der Schweiz Räume schafft, in denen Menschen aufatmen, sich bewegen, sich verbinden und vielleicht ein Stück mehr bei sich selbst ankommen können.

Interview: Stefanie Weilenmann


Johanna und ihr Team laden ein zum Ecstatic Dance Festival Switzerland vom Freitag, 25. bis Sonntag, 27. September 2026 im Landguet Ried – drei Tage mit Tanz, Musik, Breathwork, Yoga, Sound Healing und bewusster Gemeinschaft, inmitten weiter Wiesen und alter Bäume vor den Toren Berns.

Möchtest du selbst erfahren, was entsteht, wenn Freiheit und Verbundenheit zusammenkommen? Hier findest du alle Details zum Ecstatic Dance Festival >>>


Johanna Köb ist die Gründerin und Organisatorin von Ecstatic Dance Zurich. Seit Jahren schafft sie Räume für authentischen Ausdruck, freien Tanz und bewusste Gemeinschaft – wöchentlich in Zürich und mit dem Ecstatic Dance Festival Switzerland nun auch im Landguet Ried.

Stefanie Weilenmann